Pop-up 3D in DD

Unser digitales Pionierprojekt auf Gastspiel in Dresden

Pünktlich zum diesjährigen Weltkindertag feierte eine neue Ausstellung in Dresden ihre Vernissage: In mehreren Stationen rekonstruiert Von Hans Huckebein bis Conni. Kinder- und Jugendliteratur im Wandel der Zeiten die Entwicklung und Vielfalt der Buchproduktion für ein junges Publikum im Deutschland der vergangenen 150 Jahre. Jenseits des inhaltlichen Ertrags soll mit dieser von einem Podcast sowie einem abwechslungsreichen Rahmenprogramm begleitete Ausstellung eine weitgehend übersehene Sondersammlung der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden stärker in den Fokus der Kinderbuchforschung gerückt werden.

Und die Absicht, Forschenden einen hilfreichen Service zu leisten, teilt die Dresdener Ausstellung mit unserem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Pionierprojekt Pop-up 3D zur wissenschaftsadäquaten interaktiven Digitalisierung beweglicher Sammlungsobjekte am Beispiel historischer Spielbilderbücher. Bei der digitalen Replikation des ausgewählten Referenzkorpus aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert geht es dem Vorhaben vor allem darum, die charakteristischen Interaktionsangebote dieser zwischen Buch und Spielzeug changierenden Werke – ermöglicht durch Drehscheiben, Ziehlaschen und andere Papiermechaniken – zitierfähig und damit für Dritte reproduzierbar zu machen. Naturgemäß kommt dazu Animationstechnologie zum Einsatz, wie sie auch im Game Design gebräuchlich ist. Denn Spielbilderbücher sind schließlich die Computerspiele des analogen Zeitalters – mit vergleichbar großem Publikumserfolg!

Lothar Meggendorfer: ‚Das Puppenhaus‘. Foto: SLUB Dresden/ Stephan Zwerenz

Insbesondere die selbst für heutige Augen verblüffenden Spielbilderbücher des so erfindungsreichen Münchener Künstlers und Papieringenieurs Lothar Meggendorfer verkauften sich in der ganzen Welt – darunter auch das 1889 erschienene Das Puppenhaus: eine Festgabe für brave Kinder. Dieses leporelloartige Aufstellbilderbuch gibt aber nicht nur Gelegenheit zum Spiel, sondern sogar zum Gastspiel: An einer Medienstation der Dresdener Ausstellung zeigen wir nämlich mit einer kleinen Onlinepräsentation u.a. an seinem Beispiel, wie sich diese interaktive Buchgattung in die digitale Repräsentation überführen lässt. Kurzum: Ein klarer Fall von Spi(e)llover-Effekt!

Autor: Christian Mathieu